Über Tanja

Tanja schreibt immer dann, wenn ihr was auf der Seele brennt. Sie hat einen neunjährigen Sohn, ist seit fünf Jahren alleinerziehend und lebt im schönen Vorderbregenzerwald.

Gedankenkarussell

2023-01-17T12:47:31+01:0023. Dezember 2022|

Gedankenkarussell Ich wache auf. Ich bin bereit für den Alltagswahnsinn. Sicher klingelt gleich der Wecker. Mist. 1:43 Uhr. Schnell umdrehen und weiter schlafen. Doch das Gedankenkarussell ist schon da. Ich denke. Es lässt sich nicht mehr aufhalten. Das Karussell beginnt schon sich zu drehen. Ich halte mich am Bügel fest. Wie lange muss ich heute arbeiten? Was steht heute auf dem Programm? Was koch ich heute bloß? Das Karussell steigert das Tempo. Gewinnt an Höhe. Ich spüre den wachsenden Druck. Hab ich Qualitätszeit mit Junior eingeplant? Hat er alles, was er braucht? Und was tu ich eigentlich für mich selbst? Das Karussell wird immer schneller. Mein Puls rast. Meine Hände umklammern krampfhaft den Bügel. War es klug sich scheiden zu lassen? Wird es irgendwann mal leichter? Und was mach ich nur im Alter? Es reicht! Ich öffne die Augen. Setze mich auf. 2:16 Uhr. Ich greife zu meinem Lieblingsduft. Loslassen steht auf dem Fläschchen. Ich atme tief ein. Noch ein zweites Mal. Und ein drittes Mal. Ich lege mich hin. Mach die Augen zu. Sitze wieder im Karussell. Doch diesmal nicht! Ich weiß es besser. Ich lass den Bügel los. Lehne mich zurück. Nimm die Hände in die Luft und schreie so laut ich kann: "Weil das Gedankenkarussell keine Macht mehr über mich hat" Deine Tanja.

52 Stunden frei

2023-01-17T12:47:46+01:001. Dezember 2022|

52 Stunden frei Ich bin alleinerziehend, berufstätig und ohne familiäre Unterstützung und es ist gerade die erste Stunde meiner Mama-freien Zeit angebrochen. Ich bin ohne Junior unterwegs. Richtig. Er ist bei seinem Vater. Es ist Papa-Zeit. Auf Vorurteile wie zum Beispiel „Das ist schon praktisch, wenn man alle zwei Wochen frei hat!“ antworte ich inzwischen ziemlich gelassen: Du hast recht! ICH habe frei. Mama-frei. 52 Stunden. Plus, minus 1 Stunde. Ich nehme mir frei vom Kochen. Gegessen wird, was der Kühlschrank hergibt oder in eine Schüssel passt. Müsli zum Beispiel. Oder Chips. Ich nehme mir frei vom Haushalt. Die Wollmäuse rotten sich im Laufe der nächsten 52 Stunden zu Wollratten zusammen. Mit dem Geschirr spiele ich" Turmbau zu Babel". Wahlweise auch "Jenga". Ich nehme mir frei von der Arbeit. Denn 30 Stunden in der Woche sind genug. Das Geschäftshandy bleibt lautlos allein zurück. Ich gehe raus. An die frische Luft. Raus in die Natur. Mache Kilometer. Laufe mir den Kopf frei. Ich treffe meine Lieblingsmenschen. Das letzte Treffen ist schon Wochen oder Monate her. Wir reden. Bringen uns gegenseitig auf den neuesten Stand. Starren ins Lagerfeuer. Schweigen. Lachen. Reden über Gott und die Welt. Ich höre einen Podcast. Oder zwei. Einer dauert 1,5 Stunden. Ich bin voll konzentriert. Sauge die Informationen und das Wissen auf. Ich schlafe aus. Und wenn ich aufwache, dreh ich mich nochmal um. Und dann, so um die Stunde 49 herum, räume ich auf. Beseitige die Wollratten. Fülle die Spülmaschine. Drehe dabei meine Lieblingsmusik voll auf und tanze durch die Wohnung. 17 Uhr. Musik aus. Mama-Modus. Mein Akku ist wieder voll. Er muss die nächsten 284 Stunden halten. Plus, Minus 1 Stunde. Weil Vorurteile mir nichts mehr können. Deine Tanja.