Wenn Verständnis zur Pflicht wird

2026-02-05T10:08:27+01:005. Februar 2026|

Wenn Verständnis zur Pflicht wird Es begann mit Liebe. Noch bevor ich wusste, wie groß sie werden würde. In der Schwangerschaft habe ich meinen Körper geteilt. Nicht widerwillig, sondern staunend. Ich lernte, langsamer zu gehen, vorsichtiger zu atmen, weil da jemand war, der ganz von mir abhing. Die Geburt war ein Riss – und ein Versprechen. Als ich mein Kind zum ersten Mal hielt, war klar: Von jetzt an geht es nicht mehr nur um mich. Die Jahre danach waren dicht. Müde und schön zugleich. Nächte, in denen ich wach lag und nur dem Atmen lauschte. Tage, an denen ein Lächeln alles getragen hat. Erziehung war Liebe in Bewegung. Wieder und wieder. Da sein. Halten. Auch dann, wenn ich selbst müde war. Und mit dieser Liebe wuchs eine Erwartung, die niemand aussprach: Dass ich trage, was schwierig wird. Dass ich verstehe, wenn andere es nicht tun. Dann kam die Trennung Ich wollte, dass meine Kinder sicher bleiben. Dass sie nicht zwischen Fronten geraten. Dass ihre Welt nicht zerbricht. „Haben Sie Verständnis – er bemüht sich doch.“ Ich hatte Verständnis. Nicht aus Schwäche, sondern aus Liebe. Weil ich glaubte, dass Ruhe für meine Kinder wichtiger ist als mein Recht. Später sagte man zu mir: „Haben Sie Verständnis – er ist arbeitslos.“ Der Unterhalt wurde weniger. Still. Einseitig. Die Fixkosten blieben. Die Kinder blieben. Das Leben blieb. Der Kühlschrank blieb ehrlich. Die Rechnungen auch. Also verstand ich weiter. Ich rechnete, damit sie nichts spürten. Ich verzichtete, damit sie sicher blieben. Ich hielt ihre Sorgen leise, damit sie schlafen konnten. Was niemand fragte Wie lange kann Liebe das allein tragen? Verständnis wurde von mir erwartet, als wäre es unendlich. Als würde es sich immer neu erzeugen, nur weil ich Mutter bin. Doch Liebe ersetzt keinen Unterhalt. Sie bezahlt keine Rechnungen. Sie fängt nur [...]

Das leise Verschwinden von Müttern

2026-01-21T11:29:10+01:0021. Januar 2026|

Das leise Verschwinden von Müttern Es gibt einen Moment, den viele Alleinerzieherinnen kennen. Einen Moment, in dem man merkt: Hier geht es nicht mehr um mein Kind – hier geht es um ein System, das etwas durchsetzen will. Wenn die Institution nicht weiter weiß Ich bin Mutter. Und ich habe gelernt, dass diese Rolle in Trennungs- und Kontaktrechtsverfahren schnell kippen kann. Von der schützenden Bezugsperson zur „Problemursache“. Nicht, weil man etwas falsch gemacht hat – sondern weil Kinder nicht so funktionieren, wie Verfahren es vorsehen. Meine Kinder haben den Kontakt zu ihrem Vater schrittweise verweigert. Erst einzelne Wochenenden, später ganz. Seit einiger Zeit ist diese Ablehnung konstant. Nicht leise, nicht unklar, sondern begleitet von Angst, Rückzug, Tränen. Von einem klaren inneren Nein. Was folgt, kennen viele Maßnahmen. Gespräche. Abklärungen. Begleitung. Immer neue Settings, immer neue Versuche. Besuchscafé. Mediation. Kinderbeistand. Elternberatung. Jugendhilfe. Gericht. Ich habe all das mitgetragen. Ich habe ermöglicht. Ich habe gehofft. Und irgendwann musste ich mir eingestehen: Es wird nicht besser. Was sich stattdessen verändert hat, war der Blick auf mich. Plötzlich ging es weniger um die Frage, warum Kinder so deutlich ablehnen, sondern darum, was mit der Mutter nicht stimmt. Der Begriff „Entfremdung“ tauchte auf – selten offen, oft zwischen den Zeilen. Als Möglichkeit. Als Verdacht. Als Erklärung, die bequemer ist als die Realität kindlicher Grenzen. Dabei zeigten meine Kinder ihre Ablehnung überall. Nicht nur bei mir. Auch bei neutralen Personen. Auch ohne meine Anwesenheit. Über Monate. Über Jahre. Und trotzdem blieb der Zweifel an mir. Das ist etwas, worüber selten gesprochen wird: Sekundäre Viktimisierung. Wenn nicht mehr das Leid der Kinder im Zentrum steht, sondern das Verhalten der Mutter problematisiert wird. Wenn Schutz als Kontrolle gelesen wird. Wenn Fürsorge plötzlich verdächtig wirkt. Besonders schmerzhaft wird es, wenn die ökonomische Macht, wie so oft, ungleich ist. Das Kontaktrechtsverfahren weiterführt auch wenn [...]

Vorsätze mit Ablaufdatum

2026-01-16T09:38:18+01:0016. Januar 2026|

Vorsätze mit Ablaufdatum Die Silvesterböller knallen, der Himmel leuchtet, und ich stehe da wie jedes Jahr. Müde, ein bisschen sentimental – und bewaffnet mit einer ordentlichen Portion Optimismus. In der einen Hand ein Glas, in der anderen eine viel zu lange Liste an Vorsätzen. Neues Jahr, neues Glück, denke ich. Ja, das denke ich jedes Jahr. Aber diesmal – diesmal meine ich es wirklich ernst. Ganz oben auf der Liste: Meine Gesundheit Angefangen mit gesunder Ernährung. Mehr Bewegung an der frischen Luft. Und – fast schon revolutionär – mehr Zeit für mich. Und ich will mich auch um das ein oder andere meiner körperlichen Wehwehchen kümmern. Mich ernst nehmen, weil ich für meine kleine Familie die Stütze, die Liebe und das Zuhause bin. Klingt anstrengend. Fühlt sich auch so an. Jeden einzelnen Tag. Aber Ausfallen ist keine Option. Gesundheit steht also ganz oben auf meiner Liste. Zumindest in dieser einen stillen Silvesterminute, bevor der Alltag wieder loslegt. Ziemlich große Vorsätze Zwei Wochen später hat er mich wieder. Der Alltag. Mit beiden Händen. Schule, Kindergarten, Job, Haushalt, Termine, Wäscheberge, Sorgen, Verantwortung. Und plötzlich verstehe ich sehr gut, warum Vorsätze ein kurzes Haltbarkeitsdatum haben. Denn sie ist wieder da, diese alte Bekannte: die Gewohnheit. Sie frisst meine Vorsätze auf – ungefähr so gründlich wie die Süßigkeiten, die ich nachts heimlich bei meinen Heißhungerattacken verputze. Vorsätze umzusetzen heißt, neues Terrain zu betreten. Und neues Terrain kostet Energie. Und genau diese Energie fehlt mir in meinem Alltag als Alleinerziehende oft am meisten. Ironisch eigentlich, denn ich weiß ja: Ein gesunder Körper würde mir für genau diesen Alltag mehr Kraft geben. Zurück zur Lösung Die Rechnung ist eigentlich simpel. Weniger Netflix. Weniger Süßes. Früher ins Bett. Mehr Schlaf. Genügend trinken. Abends eine kleine Runde spazieren gehen. Keine Heldentaten. Keine radikalen Umstürze. Kleine Schritte. Aber genau [...]

Wenn nur eine gerichtliche Lösung bleibt

2025-11-12T09:04:22+01:0012. November 2025|

Wenn nur eine gerichtliche Lösung bleibt Als alle Versuche für eine Zusammenbleiben als Familie scheitern, war klar: Jetzt entscheiden andere über unser Leben. Ich wollte genau das immer vermeiden. Ich fand, niemand sollte darüber bestimmen, was mit mir und meiner Tochter passiert. Aber dann saß ich plötzlich auf dem Beifahrersitz meines eigenen Lebens. Keine Kontrolle. Keine Sicherheit. Nur die Hoffnung, dass alles gut ausgeht. Eine verfahrene Situation Und zwar so, dass das Gericht und die Familiengerichtshilfe tätig werden mussten. Ab diesem Zeitpunkt begann sich das Gedankenkarussell zu drehen und mit jedem kommenden Termin Fahrt aufzunehmen. Nicht die Termine an sich haben mich ausgelaugt, sondern die Zeit dazwischen. Ich machte mir ständig Gedanken und rechnete mit dem Schlimmsten. Trotz meines unerschütterlichen Optimismus ließen sich die Sorgen nicht ganz wegdrücken. Meine Tochter reagierte genervt auf die vielen Termine und „Gespräche“, war aber entschlossen und klar. Sie wollte nicht immer wieder dieselbe Geschichte erzählen. Sie wollte einfach ihre Ruhe. „Mach dir keine Sorgen Papa! Was soll da noch passieren!?“, versuchte SIE mich immer wieder zu beruhigen. Und meine Tochter behielt Recht. Am Ende ging alles so aus, wie wir es uns erhofft hatten. Meine Kleine schien nicht sonderlich überrascht vom Ausgang … und trotzdem verdrückten wir zusammen ein paar Tränen der Erleichterung nach dem Abschluss! Nach vielen nervenaufreibenden Monaten konnte nun endlich langsam Ruhe und Frieden einkehren. Mein Zugang zur Familiengerichtshilfe Natürlich hatte ich vorher im Netz recherchiert. Vor allem zur Familiengerichtshilfe. Im Rückblick: Es hat mich eher verunsichert als geholfen. Viele Berichte waren negativ, zum Teil ganze Webseiten voller Enttäuschung, Bitterkeit und Anschuldigungen in jede Richtung. Ich habe das bewusst nur begrenzt zugelassen und wollte konstruktiv bleiben, nicht zynisch. Im Endeffekt liegt es in der Natur der Sache: Wenn eine Seite zufrieden ist, ist die andere es oft nicht. Eigentlich könnte ich [...]

Papa Chamäleon

2025-10-22T16:21:19+02:0022. Oktober 2025|

Papa Chamäleon Vom ersten Moment an hat uns ein unsichtbares Band verbunden. Während Mama noch im OP lag, durfte ich die ersten Minuten mit dir allein auf dem Zimmer verbringen. Da wusste ich sofort: Ich werde nie wieder von deiner Seite weichen. Ich will nicht einfach Vater sein – ich will dein Papa sein! Und dann kommt es, wie es kommt Die Trennung von Mama habe ich lange hinausgezögert, weil ich dich nicht „zurücklassen“ wollte. Irgendwann war sie trotzdem unausweichlich. Ich habe alles versucht, um so oft und so viel wie möglich für dich da zu sein. Und dann kam alles plötzlich ganz anders: Von heute auf morgen warst du bei mir – und meine Welt stand Kopf. Bitte glaube mir: DU trägst keine Schuld. Zwei Jobs, alleinerziehend, private Schicksalsschläge, Kämpfe vor Gericht, Termine mit Behörden, Ärzten und Therapeuten … Viele Nächte war ich wach, während du schliefst. Ich habe Aufgaben erledigt, für die am Tag keine Zeit blieb – und manchmal heimlich Tränen vergossen. Doch immer warst DU es, die mir die Kraft zum Weitermachen gegeben hat. Danke, meine Tochter, dass ich dein Fels in der Brandung sein darf – und dass wir heute stärker sind als je zuvor. Unsere gemeinsame Geschichte hat mich das Papa-Sein aus jeder erdenklichen Perspektive erleben lassen, sodass ich mich ständig anpassen und neue Dinge lernen musste. Und es ist gut so Heute bin ich dein „Papa Chamäleon“. Je länger unsere Reise dauert, desto mehr spüre ich, dass die Entscheidungen, die ich für UNS treffe, die Richtigen sind. Und „richtig“ kann so unterschiedlich aussehen. Meine wertvollste Ressource Sich auszutauschen, seine Geschichte zu erzählen und sich die der anderen anzuhören bringt Gewinn! Parallelen und unterschiedliche Lösungen zu entdecken, helfen uns viel weiter als gut gemeinte Ratschläge von Menschen, die ein ganz anderes Leben führen als [...]

Zwischen Spaß-Daddy und Care-Mama

2025-10-02T15:34:08+02:002. Oktober 2025|

Zwischen Spaß-Daddy und Care-Mama Kennst du diesen Satz vom Papa der Minis? "Bei mir sind die Kinder immer entspannt." – Zack, mitten ins Herz. Du nickst, lächelst gequält und innerlich schreist du. Weil du weißt, dass dein Alltag ein anderer ist. Ein anstrengender. Ein echter. Wie geht man damit um, wenn man die Care-Arbeit trägt, während der Vater der Kinder einen auf "Spaß-Daddy" macht? Eingegroovt – und trotzdem herausgefordert Ich bin nicht mehr frisch alleinerziehend. Seit fast vier Jahren schaukle ich unseren Alltag als Alleinerziehende. Mit dem Vater der zwei Minis bin ich fein. Wir haben uns zusammen gerüttelt und funktionieren als Eltern. Wir kommunizieren, machen Pläne und gehen gemeinsam auf Veranstaltungen der Kinder. Ich bin stolz auf uns. Das klingt jetzt easy. Aber das war es nicht. Wenn du meinen Blog kennst, dann weißt du, dass ich oft auseinander gefallen bin und mich wieder zusammengeklebt habe. Es hat sich gelohnt, denn heute ernten wir als Eltern den Lohn. Entspannte Kinder Der Kindsvater bringt die Kinder von ihrem Unter-der-Woche-Nachmittag zurück. Ich erzähle ihm, dass es nach dem letzten Wochenende bei ihm anstrengend war. Die zwei schlafen abends nicht ein und sind am Morgen unausgeschlafen. Das macht die Tage zäh, weil Miesmuscheln und Tobsuchtsanfälle so vorprogrammiert sind. Ich ergänze noch, dass es nicht an ihm bzw. den Wochenenden bei ihm liegt, sondern dass einfach im Moment viel zusammen kommt: Schulanfang, Wackelzahn, Hausaufgaben. Er reagiert und sagt: "Die Kinder sind bei mir immer sehr entspannt." BÄM. Ärger. Wut. Eifersucht. Alles gleichzeitig. Reflex: Ich verteidige mich. "Bei mir müssen sie halt mehr funktionieren. Ich bin die, die sie morgens 5 Tage die Woche weckt und zur Schule und in den Kindergarten bringen muss. Ich bin die, die mit dem Schulkind jeden Tag 10 Minuten lesen muss. Ich bin die, die das Geschenk der [...]

Stark sein, weil es keine Alternativen gibt

2025-09-23T16:48:15+02:0023. September 2025|

Stark sein, weil es keine Alternativen gibt Stark sein ist kein Privileg, sondern eine Notwendigkeit, wenn Kinder Schutz brauchen und niemand sonst da ist. Es bedeutet, Ängste auszuhalten, Stimmen hörbar zu machen und für Gerechtigkeit zu kämpfen – auch gegen ein System, das lieber wegschaut. Diese Stärke ist kein Fehler, sondern Überleben – für die Kinder, für ihre Zukunft, für ein Leben ohne Angst. Mitten im Kampf „Bitte, bitte, ich will nicht dorthin …“ Ihre kleinen Hände sind gefaltet, die Augen groß vor Angst, die Stimmen kaum hörbar. Sie klammern sich an mich, an meine Stärke, weil sie wissen, dass sie auf niemanden sonst zählen können. Niemand hört sie. Niemand fragt, wie sie sich fühlen. Denn das Recht des Vaters gilt – und alles andere scheint egal zu sein. Alles andere wird überhört, übergangen, ausgeliefert. Er will sein Recht und liefert dafür die Kinder aus. Die Kinder, die jahrelang gewartet haben, die sich nach Nähe und Sicherheit sehnen, die sich an Geburtstagen fragen, warum keine Geschenke kommen, warum niemand da ist. Niemand sieht die Lücken, die Jahre des Verschwindens, die kleinen Wunden, die sich über die Zeit angesammelt haben. Nur die Forderung nach seinem Recht. Und die Kinder: Sie stehen mittendrin. Aushalten macht stark Ich halte sie, halte ihre Angst aus, während ich gleichzeitig die Stärke zusammensammle, die mich durch jeden Tag trägt. Ich darf nicht wanken. Ich darf nicht zögern. Ich darf nicht fallen – sonst fallen sie. Meine Stimme, meine Fürsorge, meine Liebe – das alles wird geprüft, bewertet, als Problem interpretiert. Und dann ist da das System. Genau dieses System, das die Kinder eigentlich schützen sollte, sieht meine Stärke als Beweis, dass es an mir liegen muss. Dass ich die Kinder bewusst entfremde. Dass ich „zu stark“ bin. Dass alles, was ich tue, nicht dem Wohl der [...]

Und dann sitzt du da

2025-09-08T22:23:36+02:0027. Juni 2025|

Und dann sitzt du da Seit drei Jahren bin ich alleinerziehend. Drei Jahre, in denen ich so viel erlebt, überlebt und gelernt habe, dass es sich manchmal anfühlt wie ein halbes Leben. Und jetzt? Jetzt stecke ich mitten im nächsten Kapitel. Neues Kennenlernen. Neues Vertrauen. Neue Dynamiken. Der Versuch, eine neue Art von Familie aufzubauen – vorsichtig, Schritt für Schritt, mit Stolperern und viel gutem Willen. Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – gibt es sie noch, diese Tage. Die, an denen mir alles über den Kopf wächst. An denen ich mich frage, warum das alles. Und dann reicht oft ein ganz normaler Dienstag, um mich an meine Grenzen zu bringen. Wenn die Sehnsucht klopft Schon am Morgen hing ein unsichtbarer Schleier über allem. Du kennst das. Ich bin mir sicher. Mein Sohn lief zum dritten Mal an der Zahnbürste vorbei, als hätte sie ihn persönlich beleidigt. Meine Tochter stand vorm Schrank und zog das dritte Sommerkleid über, weil keins „genau richtig“ war. Ich war derweil damit beschäftigt, Frühstück zu machen, Jause zu schnipseln, Sonnencreme zu verteilen, Schultaschen zu packen und daran zu denken, dass heute der letzte Tag der Ausleihfrist für die Bücher ist – und da war doch noch eine Einladung zum Kindergeburtstag? Keine Ahnung. Ich selbst schaffte es wieder mal nur bis zum Haustürspiegel. Ungeschminkt, ungefrühstückt, aber irgendwie bereit. Dachte ich. Am Schreibtisch dann: Ausnahmezustand. Ob’s am Vollmond lag, kann ich nicht sagen, aber alle waren nervös: Die Sommerferien stehen vor der Tür. Ich mittendrin, mit dem Kopf noch bei der verschwundenen Lieblingskappe meiner Tochter und dem Gefühl, mein eigenes Leben nur noch aus zweiter Reihe zu beobachten. Am Nachmittag überraschte mich ein Wolkenbruch auf dem Rad – genau in dem Moment, als ich die Kinder abholen wollte. Natürlich ohne Regenschutz. Klatschnass und mit zwei müden [...]

Lasst den Vätern ihre Verantwortung

2025-06-27T14:52:16+02:0028. Mai 2025|

Lasst den Vätern ihre Verantwortung Manchmal braucht es Mut, Dinge nicht zu tun. Keine Jause einzupacken. Keine Sonnencreme in die Tasche zu schmuggeln. Einfach loszulassen – nicht aus Nachlässigkeit, sondern aus Vertrauen. Väter dürfen Verantwortung übernehmen. Sie dürfen Fehler machen, improvisieren, wachsen. Und Kinder dürfen erleben, dass Papa das hinkriegt – oder eben auch nicht. Endlich wieder Papazeit Es ist Freitagnachmittag. Der Rucksack steht bereit. Meine Kinder auch – aufgeregt und ein bisschen nervös, weil das Wochenende bei Papa ansteht. Es klingelt. Die Begrüßung ist wie immer stürmisch. Und ich? Ich stehe da – wie so oft – und muss mich zusammenreißen, nicht doch noch schnell zu fragen, was sie vorhaben. Damit ich weiß, ob ich die richtige Kleidung eingepackt habe. Aber ich frage nicht. Weil ich es nicht mehr tue. Weil ich aufgehört habe, für zwei Elternteile zu denken. Weil ich aufgehört habe, die Verantwortung des Vaters mitzutragen. Denn ganz ehrlich: Warum eigentlich? Ich bin nicht die Mutter und der Vater. Ich bin nicht das Backup, nicht der Notfallplan, nicht das Elternteil für „alle Fälle“. Ich bin die Mama. Und er ist der Papa. Punkt. Ich hab das lange nicht geschafft. Ich hab die Tasche gepackt, als würden meine Kinder in ein Krisengebiet fahren. Wechselkleidung in dreifacher Ausführung, Sonnencreme, Jause, Lieblingsbuch, Kuscheltier, Pflaster, Nureflex. Ich wollte, dass es meinen Kindern gut geht. Dass sie gesund sind. Dass es ihnen an nichts fehlt. Dass alles reibungslos läuft. Aber was ich damit eigentlich gemacht habe: Ich habe dem Papa nicht zugetraut, Vater zu sein. Und genau das war mein Fehler. Denn wie soll ein Vater lernen, Vater zu sein, wenn ich ihm alles abnehme, was Vatersein bedeutet? Wenn ich ihm die Gelegenheit raube, Erfahrungen zu machen? Auch die unbequemen? Ja, vielleicht steht er dann mal ohne Jause da. Dann sind die [...]

Mama bleibt Mama

2025-05-09T12:22:29+02:009. Mai 2025|

Mama bleibt Mama Vom Loyalitätskonflikt, den getrennt-lebende Eltern auslösen können, müssen wir uns endlich befreien. Im Sinne der Kinder. Die Verantwortung darüber muss ins Bewusstsein von Eltern rücken – unabhängig von ihrer persönlichen Kränkung. Denn es geht um das Kindeswohl. Wenn neues Leben beginnt Der Herzschlag der Mama ist das Erste, was ein Baby im Mutterleib hört – der sanfte Rhythmus, der Sicherheit und Liebe verspricht, noch bevor es die Welt erblickt. Sie ist der sichere Hafen, der Ort, an dem kleine Arme Trost finden und große Träume wachsen können. Von der ersten Berührung bis zu den großen Schritten des Lebens ist sie da – ohne zu fragen, ohne zu zögern, mit unendlicher Liebe. Sie hält die Hand in schlaflosen Nächten, trocknet Tränen, gibt Kraft und Zuversicht. Sie stellt ihre eigenen Bedürfnisse oft zurück, weil für sie eines immer an erster Stelle steht: Das Glück ihres Kindes. Sie ist der Mensch, der bleibt, wenn alles andere wankt. Doch was passiert, wenn sich Wege trennen? Trennung ist nicht nur das Ende einer Beziehung – für Kinder ist es oft das Auseinanderbrechen ihrer kleinen Welt. In dieser Zeit braucht es umso mehr Liebe, Stabilität und Verständnis. Eine Mutter bleibt auch dann der sichere Hafen, wenn das Familienbild sich verändert. Sie fängt auf, wenn Unsicherheit kommt, gibt Halt, wenn Ängste wachsen, und zeigt ihren Kindern, dass Liebe nicht endet, nur weil sich Lebenswege neu ordnen. Wenn der Vater manipuliert Wer die Mutter seiner Kinder in dieser Zeit verletzt oder ihr Steine in den Weg legt, vergisst, dass er damit nicht nur sie trifft – sondern vor allem die, die beide lieben sollten: die Kinder. Ein wahrer Vater erkennt, dass Respekt und Verantwortung auch nach einer Trennung nicht aufhören. Denn wer wirklich für seine Kinder da sein will, schützt und ehrt die, die sie [...]

Der unsichtbare Kampf

2025-03-13T10:00:45+01:0013. März 2025|

Der unsichtbare Kampf Alleinerziehende Mütter sind wahre Kriegerinnen, die im Schatten der Gesellschaft kämpfen. Sie tragen eine unsichtbare Last, die schwerer ist als jedes Gewicht, welches der Körper je tragen könnte. Es ist der tägliche Kampf, ihre Kinder vor den Stürmen des Lebens zu schützen, ihre Liebe und Geborgenheit zu geben und gleichzeitig mit den vielen Herausforderungen des Alleinerziehens zu jonglieren: Der Spagat zwischen Karriere und Haushalt, die finanziellen Sorgen und die ständige Sorge um das emotionale Wohl ihrer Kinder. Der Narzisst als Held Doch was viele nicht wissen, ist, dass dieser Kampf oft von einer noch dunkleren Macht überschattet wird – dem narzisstischen Ex-Partner, der mit perfiden Mitteln das Leben der Mutter und ihrer Kinder zum Spielball seiner Kontrolle macht. Der narzisstische Vater inszeniert sich meisterhaft als der „gute, bemühte, liebende Vater“. Mit einer Aura von Charme und Großzügigkeit stellt er sich als der Held dar, der in den Augen der Kinder immer fürsorglich ist – derjenige, der mit Geschenken überschüttet, der in der Öffentlichkeit strahlt, als sei er der Inbegriff der Väterlichkeit. Doch hinter dieser glänzenden Maske lauert eine andere, dunkle Wahrheit. Der narzisstische Vater will nicht nur der Held in den Augen der Kinder sein, er will auch die absolute Kontrolle über das Leben seiner Ex-Frau und das seiner Kinder. Diese Fassade aus Freundlichkeit und Großzügigkeit ist nichts weiter als eine Waffe, die er geschickt einsetzt, um Macht zu erlangen und die Mutter weiter zu manipulieren. Wirklich zum Wohle der Kinder? Doch sobald es zu Konflikten oder Entfremdung zwischen den Kindern und ihm kommt, verdreht er die Wahrheit: Er wirft der Mutter vor, dass sie den Kindern falsche Vorstellungen über ihn vermittelt hat, sie „beeinflusst“ habe und somit die Kinder von ihm entfremdet seien. Die Mutter wird zur Schuldigen gemacht, als wäre sie diejenige, die den Kontakt [...]

Schön, dich wiederzusehen

2025-01-31T11:53:46+01:0031. Januar 2025|

Schön, dich wiederzusehen Vor einigen Jahren – meine zwei waren damals noch ganz klein – hörte ich Dr. Jan Uwe Rogge bei einem Vortrag. Ich glaube, es war im Bildungshaus Batschuns. Er ist Familienberater, Referent und Buchautor. Mit seiner Klarheit und seinem Humor hat er mich nachhaltig begeistert. Mir ist ein Satz aus seinem Vortrag hängen geblieben und diesen einen Satz setze ich seit meiner Trennung bewusst ein. Das Wochenende bei Papa Es klingelt an der Tür. Sturm. Ich mache auf und zwei dreckige und lachende Kinder fallen in die bis dahin etwas zu ruhige Wohnung. Sofort geht es los. Sie wollen mir alles erzählen, was sie erlebt haben und das gleichzeitig. Ich gehe in die Hocke und erlebe so auf Augenhöhe ihre ganze Energie. Dank des Me-Time-Wochenendes habe ich genug Kraft, das alles aufzufangen und auszuhalten. In aller Seelenruhe. Und dann rutscht er mir raus, dieser Satz: „Oh, wie ich euch vermisst habe.“ Und er fühlt sich auch so an. Ich habe sie wirklich vermisst. Es war dann doch irgendwann zu sauber, zu ruhig und zu einsam. Auch wenn ich die Zeit genossen habe, fehlte doch was. Im ersten Jahr als frisch Alleinerziehende hatte ich so meine Mühen damit, jedes zweite Wochenende alleine zu sein. So war mein Leben als Familie nicht geplant. Damit ich an diesen Wochenenden nicht zum Grübeln kam, habe ich mich dauerbeschäftigt. Heute tanke ich meine Reserven auf, kümmere mich um mich und gönn mir was. Es geht mir gut. Und trotzdem … Es rutscht mir dieser Satz raus. Der mit dem Vermissen. Und ich merke in dem Moment direkt, wie er mehr aussagt, als er sollte. Vermissen kann man Dinge, die man nicht hat. Vermissen kann man Dinge, die weg sind. Vermissen kann man Dinge, nach denen man sich sehnt. Und genau da fällt [...]