Sturzflug Hoffnung

2022-11-22T11:36:48+01:0022. November 2022|

Sturzflug Hoffnung Ich war letztens auf dem Alleinerziehenden Treffen von femail/EFZ in Feldkirch. Echt ein tolles Format. Ein Jahr lang begleitet uns Christiane. Sie ist Coach und gemeinsam in der Gruppe arbeiten wir an Themen wie Selbstfürsorge, Grenzen setzen oder dem Blick in die Zukunft. Letztens war das Thema Hoffnungen und Wünsche dran. Das haute mich grad aus der Flugbahn. Und zwar unerwartet. Ich bin auf Kurs Seit Wochen geht es mir gut. Ich hatte keine Rückfälle in alte Muster, gesunde Kinder und keine Machtkämpfe. Mein neues perfektes Bild scheint in Sichtweite, denn ich mag mein neues Leben. Ich war beim Friseur. Ich habe mein erstes Podcast-Interview gegeben. Ich habe geflirtet und gedatet. Aber das Wichtigste: Ich hatte Spaß mit meinen Kindern. Wir blödeln rum. Wir kuscheln viel. Wir sind zusammen. Und ich mag mich als Mama. So wie ich jetzt gerade bin. Nicht perfekt. Aber echt. Mein neues Bild wirkt in mir und ich bin stolz. Stolz gegangen zu sein. Stolz es allein hinzukriegen. Stolz auf mich. Fliegen geht nur vorwärts Und das verdanke ich mir selbst. Weil ich gerne in den Austausch gehe mit anderen Single-Moms, um zu wissen, dass ich nicht allein bin. Weil ich gerne reflektiere, um einzuordnen was passiert ist. Weil ich gerne verstehe, um abzuhaken. Um dann den nächsten Schritt zu gehen. Also sitze ich Freitagnachmittag im Coaching und höre zu. Coach Christiane fragt nach unseren Wünschen. Unseren Sehnsüchten. Unserer Hoffnung. Ich höre, wie eine andere Mama erzählt, dass sie gerne geheiratet hätte. So richtig. In Weiß. In der Kirche. Mit großem Fest. Dahinter steckt Sehnsucht nach Geborgenheit und Sicherheit. Ein Aufgehoben sein. Dann kommt die Bruchlandung Auf die Frage, ob ich gerne auch geheiratet hätte, beginnt meine Stimme bei der Antwort brüchig zu werden. Und nach dem zweiten Satz, bricht sie unter Tränen weg. Die Stimme und [...]

Schatten seiner selbst

2022-11-08T08:41:51+01:008. November 2022|

Schatten seiner selbst Es ist Herbst geworden. Die Natur zeigt sich nochmals von ihrer besten Seite, bevor sich alles ruhig und gediegen in Nebel gehüllt – auf den Winter vorbereitet. Ich bemerke dann meist, dass ich im Zauber der Melancholie mehr über mich und das Leben nachdenke, als in warmen Sommernächten. Letztens ist mir bei einem Spaziergang durch den Wald aufgefallen, dass ich in der Vergangenheit oft Dinge gemacht und Entscheidungen getroffen habe, hinter welchen ich gar nicht wirklich gestanden bin. Einfach nur, weil es von mir erwartet worden ist. Einfach, weil man das nun eben so macht. Wie ein Schatten meiner selbst, der dem allem zugestimmt hat – so als ob ich in diesen Situationen nicht ich selbst war. Ich habe mich verlobt, obwohl ich noch nicht bereit dazu war. Ich habe geheiratet, obwohl es sich nicht richtig angefühlt hat. Zu meinem heutigen Entsetzen war ich mir dessen damals keineswegs bewusst. Wie oft antworten wir auf Fragen unserer Kinder mit: „Weil es ebenso ist“. Ohne uns wirklich ernsthaft Gedanken darüber zu machen, was diese Antwort für unsere Kinder und ihre Zukunft bedeutet. Ich weiß, man hat als alleinerziehender Elternteil wirklich schon genug um die Ohren und kann sich oft nicht um jede Erziehungskleinigkeit kümmern. Aber – Sensibilisierung ist wichtig. Ich war ein Kind, dass nie hinterfragt hat. Ich habe alles je nach Erwartung und Vorgabe erledigt, weil ich es nicht anders kannte und es mir so vorgelebt worden ist. Egal ob zuhause oder in der Schule. Selbst später in der Arbeitswelt und in meinen Beziehungen gab es kein Hinterfragen – gab es von meiner Seite her keinen Spielraum für Selbstbestimmung oder kreatives Einbringen. Weil es ebenso ist. Weil man es schon immer so gemacht hat. Verloben – Heiraten – Hausbauen. Nie hat mich etwas davon erfüllt. Doch nun ist [...]

Krank ist so eine Sache

2022-10-25T17:39:57+02:0025. Oktober 2022|

Krank ist so eine Sache Wenn eines meiner Kinder krank ist, dann wird es richtig schwer mit Abgeben. Aber so richtig. Ich bin hin- und hergerissen zwischen dem kranken Kind – das doch bei der Mama bleiben soll – und dem Vater – der doch das Kind auch aushalten kann, wenn es mal krank ist. Ein Zwiespalt oder wohl eher eine Schlucht. Aber wie immer: Schluchten können mir nichts. Also, ab auf die Hängebrücke. Mein Lieblingsmädchen krank Ziemlich bald nach der Trennung hatte ich just an dem Wochenendtag, als sie beim Papa sein sollten, beide Kinder krank. Meine Kleine hatte 40 Grad Fieber und lag wie eine gestrandete Meerjungfrau in ihrer Glitzerdecke auf der Couch. Wenn sie nicht schlief, dann röchelte sie und starrte in die Luft. Ich finde es schlimm, wenn die Kleinen krank sind. Man kann ihnen nichts abnehmen. Und ich weiß, dir geht es genau gleich. Wir Mamas haben dann das Gefühl, die Kleinen sind am allerärmsten von allen. Während also die Meerjungfrau schlaf-röchelte, ist der robuste Prinz nicht ganz so arm dran. Immerhin mag er essen – wobei das kann er immer – und er hat nur leicht erhöhte Temperatur. Er jammert und ist eher eckig als rund. Er braucht viel Nähe und Beschäftigung. Aber gottseidank haben wir eine Hausregel: Wenn man krank ist, darf man fernsehen. Ich sage dem Papa für diesen einen Tag ab. Er ist enttäuscht – verständlich – und meint, er könne ja auch auf die Kinder aufpassen, wenn sie krank sind. Ich – noch von der Trennung gebeutelt – schaffe das nicht. Der Kompromiss: Er kommt zwei Tage später und geht dann mit ihnen an die frische Luft für ein/zwei Stunden. Das ist okay. Ich willige ein. Kranke Kinder bleiben bei Mama Nun ist Herbst und es geht wieder mit allen möglichen [...]

Das gute alte Muster

2022-09-21T13:18:39+02:0021. September 2022|

Das gute alte Muster Ich sitze auf der Terrasse unterm Sonnenschirm. Vor mir Laptop und Kaffee. Der Blick weitet sich und ein Grundgefühl stimmt mich positiv. Wieder. Gottseidank. Denn diese Woche war es wieder da: Das alte Muster. Es hat mich angeknabbert und sich durchgebissen. Hinterhältig und rotzfrech. Dank Mama habe ich es erkannt und wieder in seine Schublade gesteckt. Dort gehört es nämlich hin. … das alte Muster Es ist wie immer – seit ich frisch alleinerziehend bin: Es gibt gute und schlechte Tage. Hast du das auch? Ein ewiges Auf und Ab seit der Trennung? Tage, an denen ich zweifle und nicht weiß, wie weiter. Und dann Tage, an denen ich stolz bin, weil ich weiß, ich kann das. Ich kann das allein schaffen. Aber wann wird es besser? Wann sind die schlechten Tage vorbei? Wann hat das alte Muster keine Chance mehr, mich zu triggern? Wenn alles gleichzeitig kommt Der Vollmond, eine Hormonwelle und der Wetterwechsel machten diesen einen Tag zum schlechten Tag. Und da war noch etwas: Eine Vorahnung. Eine leise geflüsterte Vorahnung. Wie immer habe ich das Flüstern im hektischen Alltag ignoriert. Und dann sind wir zusammengekracht. Mein Ex und ich. Ich gegen ihn. Er gegen mich. Wir haben diskutiert. Die ewige alte Litanei. Er sagt: „Es hätte noch was werden können, aber du wolltest ja nicht. Du bist ja schnurstracks mit Sack und Pack ausgezogen.“ Ich sage: „Ich habe ein Jahr um uns gekämpft und dann sagtest du, dass du dich mit mir arrangieren kannst, aber willst, dass die Kinder bleiben.“ Das ging dann hin und her. Jeder Satz hat getriggert. Bei ihm. Bei mir. Die Kinder dazwischen. Das Muster, der gute alte Bekannte, war wieder da. So schnell. So rasend schnell, dass ich keine Chance hatte, es abzuwehren. Es aufzuhalten. Mein Schutzschild aufzuziehen. Ich [...]

Meisterin der Ablenkung

2022-08-31T17:01:08+02:001. September 2022|

Meisterin der Ablenkung Für viele ist der Sommer die absolut schönste Zeit im ganzen Jahr. Naja, zumindest für schulpflichtige Kinder und ihre Lehrer. Für mich und viele andere Eltern ist es wohl die anspruchsvollste und herausforderndste Zeit. Neben den vielen zu organisierenden Tagen und die mit Aktivitäten gefüllten Wochen, gibt es da bei uns diese ganz besondere Zeitspanne, welche es ausschließlich nur in den Sommerferien gibt und bei den Kindern beliebter ist als bei mir. Zwei spezielle Wochen, durchgehend und exklusiv mit einem Elternteil. Und wenn ich nur an diese Zeit denke, wird mir ganz anders ums Herz. Dann steigen Erinnerungen, ja Sehnsüchte in mir auf. Dann sind meine vier Wände für mich kaum noch zu ertragen und es hilft nur noch Flucht und Ablenkung. Ablenkung ist eine super Sache. Damit kann man so super gut alles in den Hintergrund drängen, beschwichtigen oder für eine Zeitlang vergessen. Hinzu kommt meine Schwäche für Bücher und Zeitschriften, welche mich unheimlich schnell in das weite Universum der Ablenkung katapultiert. Ich liege also voll abgelenkt und in meine Lektüre versunken auf dem Liegestuhl auf der Terrasse und lese diesen Artikel über Sehnsucht. Er ist wirklich spannend geschrieben und beschreibt die Top 5 Sehnsüchte der Menschen. Ich halte kurz inne und stelle mir innerlich meine eigenen Top 5 zusammen. Am Ende des Artikels steht, dass immer das die größte Sehnsucht darstellt, was man nicht unmittelbar haben kann und dass Sehnsüchte sich ändern bzw. wir diese auch ständig anpassen. In diesem Augenblick wird mir klar, dass ich in diesem Moment nicht nur alleine meine Kinder unendlich vermisse und mich nach Ihnen sehne, sondern auch, dass ich in der Zeit, in der sie nicht bei mir sind, es vermisse, wenig gebraucht zu werden. Ich vermisse also meine Mama-Rolle und die Kontrolle, die sie mir gibt. Nach so [...]

Der Teuerung zum Trotz

2022-08-01T15:16:50+02:001. August 2022|

Der Teuerung zum Trotz Als Alleinerziehende bin ich in meiner kleinen Familie für alles verantwortlich: Die Kindererziehung, den Haushalt und die Finanzen. Ich muss Bilder neu malen, Muster durchbrechen und mich immer wieder trennen. Den täglichen Wahnsinn nicht mitgerechnet. Das alles jetzt noch teurer wird, bringt meinen Kragen fast zum Platzen. Da bleibt mir die Spucke weg Letztens ging ich einkaufen. Nur ein paar Sachen. Schließlich geht es in einer Woche in den Urlaub. Ich kaufte also das Notwendigste: Brot, Butter, Milch, Obst und Gemüse. An der Kasse zog die Kassiererin meine Lebensmittel über den Scanner. Biep. Biep. Ich räumte ein. Ganz versunken in mein System: Unten die Melone und die Tomatensauce, oben die Chips und das Joghurt. Dann sagte die Kassiererin irgendwas mit knapp 100 Euro. Ich blickte auf und sie erschrocken an. Sie zuckte mit den Schultern. So, als ob sie den Blick bei jeder Kundin sieht. Der nächste Halt: Die Tankstelle. Und auch da blieb mir der Schreck im Kragen stecken. Da ist sie: Die Teuerung, von der alle sprechen. Wenn mehr fast nicht mehr geht Mein Haushaltsgeld ist knapp berechnet, aber es geht sich alles aus. Ich bin auch ein alter Fuchs. Ich weiß, wie und wo man Geld sparen kann. Habe ich von meiner Mama gelernt. Aber das sich einzelne Posten innerhalb der letzten Monate verdoppelt haben, ist definitiv zu viel für meinen gut gebügelten Kragen. Er beginnt zu knittern und zu ziehen. Und ich frage mich: Wie muss es anderen Alleinerziehenden gehen, die ihr Haushaltsbudget noch strenger kalkulieren müssen? Und wieso müssen wir Alleinerziehende jetzt noch eine Sorge mehr haben? Die eigene Welt retten Es gibt Dinge, die ich nicht unmittelbar ändern kann, wie Politik, Krieg, Inflation, Energiepreise oder Klimakrise. Darauf habe ich keinen direkten Einfluss. Außerdem habe ich schon genug Arbeit mit meiner [...]

Traum(a)urlaub

2022-07-18T16:12:38+02:0018. Juli 2022|

Traum(a)urlaub Alle Jahre wieder stelle ich mir vor dem wohlverdienten Sommerurlaub noch die wichtige Frage: Wohin und mit wem? Schon Wochen vorher durchforste ich das Internet nach den kinderfreundlichsten Orten, frage in meinem Umfeld nach und versuche entsprechende Vorschläge und Erfahrungswerte zu bekommen, die mir - sagen wir es ehrlich - nur bedingt weiterhelfen. „Luxusprobleme“ sagen meine Freundinnen, die jedes Jahr mit dem gleichen Mann und den Kindern in den gleichen Ort fahren. „Easy“ sagt mein Exmann, der mit seinen Eltern und Geschwistern samt Kids eine Villa auf den Kanaren teilt und sich entspannt im Liegestuhl sonnt. „Zusammen“ sagt meine Mutter und hofft dabei, wir nehmen sie und im besten Fall noch den Opa mit. „Gefährlich“ meint meine Cousine und erzählt mir Märchen von kranken Mamas mit kleinen Kindern allein im Urlaub. „Vergiss es“ sagt mein Bankkonto und legt mir nahe, ich könnte doch heuer mal auf Urlaub verzichten. Tja und so bin ich nun noch auf keine schlaue Idee gekommen. Bis zu dem Tag als ich die wichtigsten Personen zum Thema Sommerurlaub befragt habe: meine Kinder. „Egal“ war ihre erste Antwort. Zunächst ein wenig enttäuscht über ihre Reaktion und im Hinblick auf den Aufwand den ich zuvor betrieben hatte, habe ich nochmals gefragt, warum es denn egal ist. „Es ist egal wohin und mit wem wir gehen, Hauptsache du bist dabei Mama.“ Das war wohl die hilfreichste und schönste Antwort überhaupt. Ganz egal wo wir heuer unseren Urlaub verbringen werden, ob am Meer, Zuhause oder in den Bergen - wichtig ist nur, dass wir zusammen sind.

Wirklich glücklich

2022-07-04T14:51:06+02:004. Juli 2022|

Wirklich glücklich Letztens ploppte bei mir eine Werbung am Bildschirm auf mit der Headline: Können Scheidungskinder wirklich glücklich werden? Diese Frage hat mich irritiert. Warum sollten sie nicht können? Über das hatte ich noch gar nicht nachgedacht. Ich stehe auf der anderen Seite: Können Kinder mit lieblosen und streitenden Eltern glücklich werden? Neugierig geworden, habe ich geklickt und mich fast im Google-Dschungel verloren. Google weiß es nun auch Ich bin frisch alleinerziehend. Das ist nun auch bei Google angekommen. Okay. Wenn ich mir überlege, über was ich mich das letzte Jahr alles bei der Suchmaschine informiert habe, ist das auch kein Wunder. Google zählt einfach eins und eins zusammen. Und trotzdem: Die angezeigte Werbung traf mich mitten ins Herz. Können Scheidungskinder wirklich glücklich werden? So lautete der Titel eines Blog-Artikels, der mir von Google unaufgefordert gezeigt wird. Ich war mitten in meiner Arbeit und las den Satz. Ich stoppte und las ihn nochmals. Ich war gebannt. Irritiert. Geschockt. Wie konnte das jemand in Frage stellen. Und was bitte ist „wirklich glücklich“? Gibt es von Glück eine Steigerung? Ist das mehr als „glücklich“? Du kennst mich inzwischen: Ich wäre nicht ich, wenn ich dem nicht nachspüren würde. Ich fragte also sofort Dr. Google nach Antworten. Und die sind erschreckend. Er zeigt mir tausende Ergebnisse mit Artikeln von der FAZ bis zum Standard. Von der Scheidungsanwältin bis zum Psychotherapeuten. Vom Coach bis zur Geschiedenen. Mit Inhalten wie: Scheidungskinder sind beziehungsunfähig; Spätfolgen für das Beziehungsverhalten von Scheidungskindern; Auffälligkeiten bei Trennungskindern oder wie es ist, ein Trennungskind zu sein. Viele der Aussagen schockieren mich. Ich suche weiter und finde aktuellere Artikel, die das Thema „Was Trennungskinder brauchen“ aufgreifen. Sie behandeln Fragen wie: Was kann ich tun, um meinem Kind während der Trennung Sicherheit und Halt zu vermitteln. Was brauchen Kinder bei der Trennung der [...]

Schlimmer geht immer

2022-06-01T16:06:24+02:001. Juni 2022|

Schlimmer geht immer Ich verliere oft den Blick auf das Ganze. Denn im hektischen Alltag habe ich meist nur einen Horizont vor mir: Nämlich den bis zu den Kindern und wieder zurück. Da zählen nur meine persönlichen Probleme. Derzeit ist es die Frage, ob man Kinder kaufen kann. Ist das bei dir so? Versucht dein Ex die Kinder zu kaufen? Dann habe ich eine Geschichte für dich. Die erweitert deinen Horizont wieder. Denn schlimmer, geht immer. Versprochen. Ein Papa kann alles kaufen Sogar die Liebe seiner Kinder. Meinen manche Papas ja tatsächlich. Der Ex-Mann meiner Freundin zum Beispiel. Erzählt sie mir letztens, dass der Ex doch tatsächlich mit einer nagelneuen Apple iWatch für ihre Tochter daherkommt. Klar freut sich da die 14-Jährige drüber. Logisch. Aber Hallo? Sie hat nicht Geburtstag und an den Osterhasen glaubt sie nun wirklich nicht mehr. Aber wegen den Alimenten jammern. Genau. Die sind zu hoch berechnet. So viel isst eine Pubertierende ja gar nicht, wegen der schlanken Linie. Und sie fährt eh immer mit dem Fahrrad. Außerdem sind Second Hand Klamotten grad der Renner. Hallo? Sag mal geht’s noch? Beim Heimfahren habe ich überlegt, ob ich das Problem auch habe. Klar, mein Ex hat neue Bettwäsche gekauft: PawPatrol für meinen Lieblingsbubi und Prinzessin Elsa für mein Lieblingsmädchen. Da kann ich mit meiner schicken Uni-Farbenen nicht mithalten. Aber so ein Spruch „Mama, ich kann nur in Prinzessin Elsa Bettwäsche einschlafen“ finde ich zwar doof, aber halte ich schon aus. Dazu hat er dann noch passende Pyjamas, ein Trampolin und einen Bagger für die Sandkiste gekauft. Einen richtig großen Bagger. Okay. Ist jetzt schon viel, zumal grad Ostern war, aber nun gut. Alles Dinge, die man braucht. Zumindest fast. Zurück zur Frage: Nein. Ich glaube, ich habe das Problem mit dem Papa nicht. Kinder kaufen geht eh [...]

Und immer wieder trennen

2022-05-03T09:49:28+02:003. Mai 2022|

Es ist unfair. Da denkst du jedes Mal, es wird besser. Aber nein, Quatsch mit Soße: Nichts wird besser. Gar nichts. Das Thema Trennung holt dich immer wieder ein. Du rollst es mühsam weg und es rollt wieder zurück. Wie bei einem Jo-Jo. Fallenlassen ist nicht, da gibt es ja noch die Kinder – die hängen da auch dran. Und die fallen zu lassen wäre fatal. Oder? Und wöchentlich grüßt das Murmeltier Ich bin jetzt langsam durch – mit mir, mit ihm, mit dem Liebeskummer. Na gut, meistens mehr und ganz manchmal noch weniger. Unter der Woche im Alltag versunken fehlt er mir nicht. Und an die Wochenenden habe ich mich gewöhnt: Ein Tag mit und einen ohne Kinder. Die Familienausflüge machen wir allein. Sie sind schöner ohne Grummelpeter. Darum genieß ich die Wochenenden und sammle Kraft. Ich lebe wieder, denn aus Besuch bei Papa ist Kontakt geworden. Aber bei allem cool sein, hat es mich letztens doch ziemlich erwischt. Mein kleiner Lieblingssohn ist ein Papa-Kind: Mit Papa schaffa und im Garten Dreck buddeln, an Sachen rumschrauben und mit der Schubkarre fahren. Er ist ein Bub. Immer dreckig. Immer rotznasig. Immer draußen. Er ist jetzt 2,5 Jahre alt und er fragt oft nach Papa. Ich bin froh, dass wir zwei Kontakte pro Woche haben, so kann ich ihm immer sagen: Morgen kommt der Papa schon wieder. Das beruhigt ihn. Das letzte Wochenende waren die Kinder von Freitagmittag bis Sonntagmittag beim Papa. Ausnahmsweise. Ich musste beruflich auf einen Kongress nach Wien. Papa hat sich gefreut und die Kinder auch. Ich habe sie eine ganze Woche vorher vorbereitet: Ihr macht Urlaub bei Papa, weil Mama nach Wien muss. Vorbereitung ist wichtig. Beim Abschied am Bahngleis gab es dann aber doch Tränen. Vor allem bei der Großen. Der Kleine hatte auch feuchte Augen, [...]

Wenn aus Besuch Kontakt wird

2022-05-03T09:50:24+02:0031. März 2022|

In Deutschland sagt man Umgangsrecht. Bei uns heißt es Kontaktrecht. Früher hieß es mal Besuchsrecht. Ein Wortspiel. Denn eigentlich geht es darum, welcher Elternteil hat die Kinder wann und zu welcher Zeit. Die Grundlage dafür ist das Wohl der Kinder. Du merkst schon, alles Begriffe mit viel Interpretationsspielraum. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Das Feilschen um die Zeit Ich bin frisch alleinerziehend und bin Anfang Jahres mit den Kindern ausgezogen. Wir haben im Haus meiner Mama ein neues zu Hause gefunden. Der Vater der Kinder und ich haben für die erste Zeit vereinbart, dass unsere Lieblingskinder Paula (4 Jahre) und Lorenz (2 Jahre) jeweils einen Wochenendtag bei ihm sind und er uns am Mittwochabend besuchen kommt. Vorerst ohne Übernachtung. Zwei Monate nach dem Auszug geht es uns langsam besser. Ich spüre mich wieder und der Frühling tut mir gut. Druck, Herzrasen und Angst sind weg. Meine Kinder spiegeln das. Sie schlafen durch. Zum ersten Mal in ihrem Leben schlafen sie durch. All das bringt gute Laune. Ich glaube, wir drei sind angekommen. Nun ist es Zeit, sich zu überlegen, wie es mit den Besuchen bei Papa weiter geht. Dieser prescht vor und macht mir ein Angebot, dass Kopfschütteln verursacht: Alle zwei Wochen von Donnerstag bis Montag plus jeden Mittwoch Abend. Ich wackel wieder, obwohl ich doch gerade eben noch so stabil stand. Mein Berater beim ifs fängt mich auf. Er hilft mir. Er klärt mich über das Gesetz auf. Er rät mir. Was er aber nicht kann: Mir sagen, wie viel ich die Kinder abgeben will oder kann. Wieviel mir und den Kindern gut tut. Er kann mir nur sagen, was so „üblich“ ist. Von Besuch auf Kontakt Seine Forderung im Detail: Die Kinder sollen alle zwei Wochen für 5 Tage/4 Nächte bei ihm sein. Zusätzlich kommt er noch [...]

Der bessere Elternteil

2022-03-01T08:54:14+01:001. März 2022|

Ich bin immer noch frisch im Alleinerziehenden-Geschäft und habe mein Bild von Familie neu gezeichnet. Ich versuche nach vorne zu schauen und mich nicht zu verlieren. Meistens bin ich ziemlich gut. Aber eben nur meistens. Denn letztes Wochenende, als er die Kinder abgeholt hat, kam ein neues Gefühl auf mich zugerollt: Konkurrenzdenken. Und damit die Frage: Wer ist der bessere Elternteil? Und das macht mir echt zu schaffen. Superdaddy und seine tolle Welt Unter uns gesagt: Es kotzt mich an, wenn der Vater die Kinder nach einem Wochenende freudestrahlend zurückbringt. Die Kinder sind aufgeregt und erzählen, wie unendlich toll es doch bei ihm war. Während ich allein zu Hause gewartet habe, hat er ihnen das Trampolin gekauft, dass ich schon lange wollte; ist mit ihnen am alten Rhein picknicken gewesen; und war noch beim Götte zum UNO spielen. Es ist doch so viel besser bei Papa. Ehrlicherweise sagen sie das nicht. Aber ich höre das. Und ich beginne zu zweifeln, zu vergleichen und zu konkurrieren. Ich will doch der bessere Elternteil sein. Nein. Ich bin der bessere Elternteil. Was ich fühle ist Neid, Hass, Frust, Selbstmitleid. Wahrscheinlich eine Mischung aus allem. Mal ganz ehrlich: Wie machst du das? Wie gehst du damit um, wenn deine Kinder vor Lachen glucksend nach Hause kommen? Kannst du dich für dein Kind freuen? Kannst du das von deiner persönlichen Kränkung trennen? Bei mir funktioniert es gerade gar nicht. Die Kinder dürfen – nein – sollen sogar zu Papa. Und ich muss meine Erfahrung mit ihm, von der Erfahrung der Kinder mit ihm, trennen. Ist mir klar und krieg ich auch hin. Aber meine Gefühle sind trotzdem da und ich weiß nicht, was ich damit anfangen soll. Die Psychologin in mir Ich brauche es analytisch. Einfach in eine Schublade eingeordnet. Vielleicht macht es mir dann [...]